Interview mit Jana Schneider

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Frage: Jana, nicht ganz ein Jahr ist es her, da wurdest du im Alter von 14 Jahren sensationell Deutsche Meisterin. Nicht nur Schachmedien, sondern auch renommierte Blätter wie die Süddeutsche berichteten. Wie hast du den Rummel um dich wahrgenommen und wie schafft man es sich nach einem solchen Erfolg wieder auf die nächsten Turniere zu konzentrieren?

Antwort: Der Gewinn der Deutschen Frauenmeisterschaft war mein bisher größter Erfolg und dementspechend habe ich auch noch nie so viele Presseanfragen auf einmal bekommen. Nachdem ich zuhause angekommen war und den Abend beim Grillen mit meiner Familie und meinem Verein ein bisschen gefeiert habe, waren die nächsten Tage voll mit Interviews und auch Videodrehs. Insgesamt war es natürlich sehr anstrengend, aber als Schachspieler ist man ja auch froh, den Schachsport ein wenig verbreiten zu können. Das ist ja doch auch irgendwie eine Ehre. Wenige Tage nach der DFEM habe ich dann schon das nächste Turnier gespielt, Grenke-Open in Karlsruhe. Dadurch hatte ich kaum Zeit den Titel wirklich richtig zu realisieren und konnte es noch gar nicht wirklich wahrhaben. Aber ich denke es ist sehr wichtig, auf dem Boden zu bleiben, auch wenn man ein großes Turnier gewonnen hat und sich eben auch auf die nächsten Turniere zu konzentrieren.

Frage: Durch den Titel lassen sich Vergleiche mit der stärksten und erfolgreichsten Deutschen Spielerin Elisabeth Pähtz nicht ganz vermeiden. Wie siehst du diese Vergleiche und könntest du dir auch eine Karriere als Schachprofi vorstellen?

Antwort: Natürlich wurden reihenweise Vergleiche aufgezogen, wer nun die jüngste Deutsche Meisterin war. Es ist wohl relativ knapp, aber Elisabeth Pähtz war noch jünger als ich, als den Titel gewann. Solche Vergleiche gehören eben dazu, aber ich werde da lieber als eine der jüngsten Deutschen Meisterinnen bezeichnet als als Zweitjüngste. Außerdem lassen sich die Titel schwer miteinander vergleichen, wohl auch weil eben leider einige Spitzenspielerinnen bei der DFEM nicht
mitgespielt haben. Eine Karriere als Schachspielerin könnte ich mir durchaus vorstellen, allerdings ist es momentan eben nur eine Option und ich werde mich erst mal auf mein Abitur konzentrieren.

Frage: Um Deutsche Meisterin zu werden braucht man starke Nerven, was würdest du als deine 3
größten Stärken nennen?
Antwort: Es ist schwierig sich da auf drei Stärken festzulegen, schließlich spielt ja doch irgendwie alles mit rein, sowohl Stärken als auch Schwächen. Wenn ich mich auf drei große Stärken festlegen müsste, würde ich wohl Geduld, Kampfgeist und Durchhaltevermögen nennen.

Frage: Vor kurzem, beim Pfalz-Open, konntest du mit Nikita Meskovs (Lettland) deinen ersten GM
schlagen. Kannst du uns eine kurze Zusammenfassung der Partie geben?

Antwort: In der zweiten Runde des Pfalz-Opens wurde ich mit Schwarz gegen GM Nikita Meskovs ausgelost. Gegen Englisch erreichte ich mit Schwarz fast schon zu leicht eine bessere Stellung und schaffte es im Endspiel einen Bauern zu gewinnen. Den verwertete ich nun langsam, bis zu einem endgültigen taktischen Schlag am Ende. Insgesamt war es wohl eine verdient gewonnen Partie für mich, da ich eine gute, mein Gegner eher eine schlechte Partie spielte.

Frage: Die EYTCC steht vor der Tür und du bist mit dabei. Worauf freust du dich am meisten bei
diesem Turnier?
Antwort: Ich war schon mehrere Male auf Kaderlehrgängen in Bad Blankenburg und muss sagen, mir hat es dort immer sehr gut gefallen. Natürlich freue ich mich auch sehr auf die Partien und eben auch darauf, dass es ein Mannschaftsturnier ist, das ist doch was anderes als Einzel und es ist eine große Ehre für mich, Deutschland vertreten zu dürfen. Ich denke es ist auch Vorfreude auf die anderen Spieler vorhanden. Sowohl auf die Spieler der deutschen Teams, als auch auf all die anderen Jugendspieler Europas, die mitspielen. Meistens schafft man es eben doch auch auf Schachturnieren Freundschaften zu schließen, obwohl man eben gleichzeitig auch als Konkurrenten gegeneinander antritt.

Frage: Bei der EYTCC spielst du gegen die stärksten Spielerinnen aus Europa, inwiefern bedarf dies einer anderen Vorbereitung, mental und schachlich, als eine Deutsche Jugendmeisterschaft?

Antwort: Das besondere bei Deutschen Jugendmeisterschaften ist, dass ich viele meiner Gegner kenne. Das ist doch irgendwie ein anderes Spielgefühl und von einigen weiß ich dann eben auch, gegen welche Eröffnungen sie gerne spielen, gegen welche nicht. Außerdem ist die MEM eine Mannschaftsmeisterschaft. Da trägt man dann eben auch eine besondere Verantwortung für die Mannschaft und muss eben manchmal auch in Stellungen auf Gewinn spielen, die man als Einzelspieler Remis geben würde. So baut sich auch psychologischer Druck auf, dem man standhalten muss und solche Situationen kann man natürlich auch trainieren. Jana, vielen Dank für das Interview.


Jonathan Carlstedt


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